Laufende Drittmittelprojekte der Arbeitsgruppe

Crowdsourcing als neue Form der Arbeitsorganisation: Regulierungsanforderungen und Wohlfahrtseffekte

Forschungszeitraum: 1. Dezember 2017 bis 30. November 2020
 
Als Crowdsourcing bezeichnet man die Auslagerung von Tätigkeiten, die traditionell von speziell dafür beschäftigten Akteuren, üblicherweise von internen Mitarbeitern eines Unternehmens, verrichtet wurden, an eine unbestimmte und zumeist große Gruppe von Menschen über einen offenen Aufruf. Dabei wird zwischen den Bereichen »Microwork« und »Online Freelancing« unterschieden. Bei Microwork werden Projekte in Kleinstaufgaben zerlegt, die in Sekunden oder Minuten abgeschlossen werden können. Online Freelancing ist die Auslagerung von professionellen Dienstleistungen an Crowdworker, die in der Regel einschlägige fachliche oder berufliche Qualifikationen besitzen müssen. Crowdsourcing birgt damit ein enormes Potential für Unternehmen, die zu erledigende Aufgaben kurzfristig durch Crowdworker bearbeiten lassen möchten und von der Kreativität einer Gruppe an Akteuren profitieren wollen. Auch für die Crowdworker bringt die neue Arbeitsform Vorteile, nämlich indem diese ihren Arbeitsalltag zeitlich und räumlich flexibler gestalten können. Aufgrund der Partikularisierung ihrer Tätigkeit sind die Crowdworker beim Vertragsschluss, wohl mehr noch als herkömmliche Arbeitnehmer, gegenüber den Auftraggebern und Plattformbetreibern möglicherweise strukturell unterlegen. Das Ziel des Forschungsprojekts ist die Beantwortung der Frage, ob die Rechtsordnung in Deutschland und auf Ebene der Europäischen Union für Crowdsourcing als neue Form der Arbeit geeignete Instrumente und Regelungen bereitstellt, um einen angemessenen Interessenausgleich zu gewährleisten, und inwiefern ein gesetzgeberisches Handeln erforderlich ist. Untersucht wird, ob das vertragliche Arbeitnehmerschutzrecht Anwendung auf Crowdworker findet bzw. finden sollte und welche Möglichkeiten der kollektiven Interessenwahrnehmung den Crowdworkern zur Verfügung stehen oder stehen sollten. Die Untersuchung baut auf vergleichenden Erkenntnissen mit der Rechtslage in den USA auf, weil dort die umfassendsten Erfahrungen mit dem Phänomen Crowdsourcing bestehen und entsprechend die Konsequenzen dieser Betätigungsform für die Beschäftigten besonders sichtbar geworden sind. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive wird analysiert, inwiefern Crowdworker einer Tätigkeit nachgehen, um ihren Existenzerhalt zu sichern und welche Zielfunktionen sie alternativ noch verfolgen. Darüberhinaus wird untersucht, in welcher Form mögliche Wohlfahrtsgewinne unter Crowdworkern, Plattform und Crowdsourcern aufgeteilt werden und ob Crowdworker gegen eine unfaire Behandlung durch die anderen beiden Parteien vorgehen. Die Forschungsfragen werden mit den Methoden der empirischen und experimentellen Wirtschaftsforschung beantwortet und es wird rechtsvergleichend gearbeitet. Sollte der Gesetzgeber in den kommenden Jahren ein deutsches Crowdsourcing-Gesetz bzw. eine europäische Crowdsourcing-Richtlinie erlassen, wird mit dem vorhandenen Datenmaterial eine umfassende Evaluierung der neuen Regeln erfolgen.
 
gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
 
 
 

Neue digitale Akteure und ihre Rolle in der Finanzwirtschaft

Forschungszeitraum: 1. September 2017 bis 28. Februar 2018

Die Untersuchung wird die Chancen und Risiken der Marktteilnehmer und der neuen digitalen Akteure in der Finanzwirtschaft herausarbeiten und bestehende Geschäftsmodelle sowie neue Big Data-basierte Finanzangebote identifizieren und analysieren. Dazu wird auf deutsche FinTechs sowie die von den Autoren bereits entwickelte Taxonomie der FinTech-Unternehmen zurückgegriffen. Weitere Erkenntnisse werden maßgeblich aus Experten-Interviews abgeleitet. Die Schwerpunkte der Studie liegen auf den folgenden Themenbereichen:

  • Kooperation zwischen Banken und FinTechs
  • FinTechs und Regulierung
  • FinTechs und Big Data
  • Nachhaltigkeit der FinTech-Geschäftsmodelle
  • FinTechs und Datenschutz
  • FinTechs und der Zugang zu Fremdkapital

gefördert durch das ABIDA (Assessing Big Data) Projekt unter Leitung der Westfälische Wilhelms-Universität

 

Pra­xi­ser­fah­run­gen mit den durch das Klein­an­le­ger­schutz­ge­setz vom 3.7.2015 ein­ge­führ­ten Be­frei­ungs­vor­schrif­ten in § 2a bis § 2c Ver­mö­gens­an­la­gen­ge­setz

Forschungszeitraum: 11. Mai 2016 bis 31. September 2016

Bei der Regulierung von Start-up-Unternehmen kommt es häufig zu einem Zielkonflikt. Einerseits möchte der Gesetzgeber Investoren vor betrügerischen Machenschaften am Kapitalmarkt schützen. Dafür müssen die Emittenten potentiellen Investoren Informationen zur Verfügung stellen und unterliegen einer weitreichenden Regulierung. Die Bereitstellung von Informationen sowie die Befolgung der einschlägigen Gesetze ist jedoch gerade für junge Unternehmen mit hohen Kosten verbunden. Andererseits sind dem Gesetzgeber die Finanzierungsschwierigkeiten der jungen Unternehmen bekannt. Aus diesem Grund hat er Befreiungsvorschriften geschaffen, die auf die besonderen Bedürfnisse der Start-up-Unternehmen abzielen. In der Studie soll untersucht werden, ob Schwarmfinanzierungen mit oder ohne Wertpapierprospekt durchgeführt werden, inwiefern es bereits zu Ausfällen bei den Finanzierungen kam, welche Produktarten genutzt werden, welche Anlegerstruktur existiert und wie die Portale auf die neuen Ausnahmetatbestände reagieren. Dabei werden neben der klassischen Schwarmfinanzierung von Unternehmen auch soziale und gemeinnützige Projekte unter die Lupe genommen. 

gefördert durch das Bundesministerium der Finanzen

Studie zum kostenlosen Download

ifo Forschungsbericht

ifo Schnelldienst

DICE Report

In der Presse:

Investieren im Netz: Die Crowd hat die besseren Start-ups, Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 4.5.2017

Intelligenter Schwarm, Handelsblatt v. 27.4.2017

Crowdfunding bleibt ein Nischengeschäft, Focus v. 8.4.2017

Kleinanlegerschutz: Crowd und Rüben, Süddeutsche Zeitung v. 23.02.2017 

 

"FinTech"-Markt in Deutschland.

Forschungszeitraum: 1. Februar 2016 bis 31. Juli 2016

Ziel des Forschungsprojekts ist es, den Begriff „FinTech“ in Anlehnung an die internationale Fachliteratur und vor dem Hintergrund der realen Marktgegebenheiten in Deutschland zu definieren. Ein weiterer Projektbestandteil ist die Identifizierung der relevanten FinTech Unternehmen und Plattformen in Deutschland. Ergänzend werden die FinTech Aktivitäten der führenden deutschen Banken und Sparkassen untersucht. Aufbauend auf der zu definierenden Grundgesamtheit sollen die relevanten Marktgrößen und Volumina erhoben und ausgewertet werden. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf den Marktsegmenten Crowdfunding, Crowdinvesting, Crowdlending, Robo Advice, Personal Financial Management und Social Trading liegen. Schließlich sollen auch technologische Rückstände und regulatorische Hemmnisse identifiziert werden, die den FinTech Markt von seiner weiteren Entwicklung abhalten könnten. Schlussendlich wird eine Marktprognose für die nächsten 5, 10 und 20 Jahre erstellt. 

gefördert durch das Bundesministerium der Finanzen

Studie zum kostenlosen Download

Erweiterte englische Version: FinTech in Germany

In der Presse:

Das Crowd-Casino, Süddeutsche Zeitung v. 12.01.2017

Jens Spahn und Lars Hornuf präsentieren FinTech-Studie, Funding Circle Blog v. 6.12.2016

FinTech ist Mainstream, Capital v. 2.12.2016

Crowdfunding-Potentiale in Deutschland, crowdfunding.de v. 30.11.2016

Deutschland ist auf dem Weg zur Fintech-Nation, Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.11.2016

Digitalisierung des Finanzmarktes in Deutschland: Auf dem Weg zur FinTech-Nation, Monatsbericht des Bundesministeriums der Finanzen November 2016 v. 2.11.2016

FinTechs - Hoffen auf den Boom in Deutschland, Handelsblatt v. 20.11.2016

 

Crowdinvesting in Deutschland, England und den USA: Regulierungsperspektiven und Wohlfahrtseffekte einer neuen Finanzierungsform.

Forschungszeitraum: 1. Oktober 2014 bis 30. Oktober 2017

Als Crowdinvesting bezeichnet man das internetbasierte Sammeln von Beiträgen mehrerer Investoren zur Finanzierung von Start-up-Unternehmen. Crowdinvesting schließt weltweit eine Lücke auf dem Markt für Unternehmensfinanzierung. Die über Crowdinvesting finanzierten Unternehmen sind häufig zu risikoreich für Banken, zu klein für institutionelle Risikokapitalgeber und haben einen zu großen Finanzierungsbedarf für Freunde und Familienangehörige. Diese Unternehmen wären ohne Crowdinvesting auf eine staatliche Förderung angewiesen oder würden keine Finanzierung erhalten. Crowdinvesting birgt daher ein enormes Potential für die Finanzierung innovativer Geschäftsideen und das Wirtschaftswachstum. Das Ziel des beantragten Forschungsprojekts ist die Beantwortung der Frage, ob und wie Crowdinvesting in Deutschland bzw. auf EU-Ebene geregelt werden soll. Dafür werden der Umfang und die Struktur der Crowdinvesting-Märkte in Deutschland, England und in den USA untersucht sowie die bereits existierenden staatlichen bzw. privaten Regeln in diesen drei Ländern erfasst. In einem zweiten Schritt wird analysiert, welche Folgen die Entstehung des Crowdinvesting für alle Beteiligten hat. Konkret wird erforscht, ob Crowdinvesting eine effiziente Kapitalallokation zwischen Investoren und Start-up-Unternehmen ermöglicht und somit eine förderungswürdige Finanzierungsalternative darstellt. Damit verbunden ist die Frage, ob das Crowdinvesting unter einer bestimmten Form des Marktversagens leidet, die konkrete gesetzgeberische Eingriffe erforderlich macht. Schließlich wird untersucht, ob ein Wettbewerb unter den Crowdinvesting-Plattformen herrscht oder herrschen kann und ob dieser gute oder schlechte Normen hervorbringt, also zu einem race to the top oder einem race to the bottom führt. Die Forschungsfragen werden mit den Methoden der empirischen Kapitalmarktforschung beantwortet und es wird rechtsvergleichend gearbeitet. Sollte der Gesetzgeber in den kommenden Jahren ein deutsches Crowdinvesting-Gesetz bzw. eine europäische Crowdinvesting-Richtlinie erlassen, wird mit dem vorhandenen Datenmaterial eine umfassende Evaluierung der neuen Regeln erfolgen.

Projektbeschreibung

Aktuelle Publikationen 

 

Wie wirkt authentische Führung auf das Betrugsverhalten von Mitarbeitern? Eine experimentelle Untersuchung aus wirtschaftswissenschaftlicher, juristischer und psychologischer Perspektive

Forschungszeitraum: 1. Oktober 2014 bis 31. März 2016

Betrugsfälle in Unternehmen sind trotz zahlreicher regulatorischer Maßnahmen weltweit an der Tagesordnung. In Abgrenzung zum ökonomischen Standardmodell zu Betrugsverhalten und Strafe (Becker, 1968), das Betrugsverhalten als einfache Kosten-Nutzen-Analyse beschreibt, greifen wir die Theorie der Selbstkonzept-Erhaltung als theoretische Grundlage des Forschungsvorhabens auf. Das Forschungsprojekt untersucht, unter welchen Umständen sich die Grenze verschiebt, ab der sich ein Mitarbeiter nicht mehr als ehrliches Individuum wahrnimmt. Auf Basis der aktuellen Literatur postulieren wir, dass authentische Führungskräfte den Grenzwert senken, unterhalb dessen Mitarbeiter betrügen und sich gleichzeitig gerade noch selbst glaubhaft vermitteln können, ein ehrlicher Mensch zu sein. In einer experimentellen Laborstudie wurde untersucht welches Betrugsverhalten Mitarbeiter einer authentischen Führungskraft im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigen (Wirkung authentischer Führung), welches Betrugsverhalten Mitarbeiter zeigen, wenn sie beobachten, dass Personen in ihrem unmittelbaren Umfeld betrügen (Ansteckungseffekt) und welches Betrugsverhalten Mitarbeiter zeigen, wenn sie selbst durch Personen in ihrem unmittelbaren Umfeld betrogen werden (Vergeltungseffekt). Die Studie bediente sich dabei den experimentellen Methoden der Verhaltensökonomik. Das Forschungsvorhaben stellt die bislang erste Studie dar, die sich auf Theorien und Methoden aus Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften und der Psychologie stützt, um den kausalen Einfluss von authentischer Führung auf das Betrugsverhalten von Mitarbeitern zu analysieren. Das Projekt wurde im Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen und mündet voraussichtlich in einer Publikation im Palgrave Macmillan Verlag.

gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung

Arbeitspapier

Erscheint in:

Braun, Susanne und Lars Hornuf (2017): Authentic leadership and followers’ cheating behavior – A laboratory experiment from a self-concept maintenance perspective, in: Dorianne Cotter-Lockard (eds.): Authentic Leadership and Followership: International Perspectives, Palgrave Macmillan.

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